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MICROSTORY OF ART MICROSTORY OF ART ![]() Dedicated to Per Kirkeby Das Vorhaben MalereiWarum nicht, für einmal, sich Paul Cézanne als einen Arktisforscher denken? Als Maler des bekanntesten, mächtigsten Vulkans auf Island? Als einen in den 1950er Jahren tätigen Kristallografen, ja als einen Geologen und Kristallografen mit einer Vergangenheit in der dänischen Widerstandsbewegung im 2. Weltkrieg? ![]() (Picture: sciencythoughts.blogspot.com) ![]() Geologenhammer (picture: hammerkauf.de) ![]() Gemälde-Querschnitt (picture: nga.gov/Giovanni Bellini/Tizian) Es ist ein geologisches Paradigma, für das Kirkeby Cézanne letztlich in Anspruch nimmt, wenn er die Kräfte, die ein Bild, ein Gemälde erschaffen, mit den Kräften, die einen Berg, einen Vulkan erschaffen, in Parallele setzt. Und wenn diese Inanspruchnahme für ein holistisches Paradigma, eine holistische Weltsicht, in der eben Energie Materie formt, in einer Emanzipationsbewegung gründet, die Cézanne nicht (mehr) für einen ›Stammesführer‹ oder ›Stammesältesten‹, kurz: für eine teleologische Entwicklungsgeschichte der Malerei in Anspruch nehmen will, so handelt es sich doch um eine neuerliche Inanspruchnahme, über die man geteilter Meinung sein kann und sich streiten mag. Im Epochenjahre 1989 veröffentlicht ist der wie gesagt schöne, da von Leidenschaft zeugende und durch eine »Erinnerungsskizze« aus einer persönlichen »naturhistorischen Vergangenheit« persönlich grundierte Aufsatz von Kirkeby zeitlich schon etwas abgerückt, aber gerade deshalb ist es interessant, in Erinnerung zu rufen, dass Malerei, dass malerische Tätigkeit auch vom Geologenhammer, vom Steinbruch in Schonen, von »gebirgsbildenden Energien« und geologischen Verwerfungen her gedacht werden kann. ![]() (Picture: nga.gov/Giorgione) ![]() (Picture: waystomakeyousee.wordpress.com) Im Kunstmuseum Basel stehe ich vor Gerhard Richters Motorboot, also vor einem gemalten Bild, das eine fotografische Vorlage nochmals ins Bild setzt und, so gesehen, eine malerische Intervention im medialen Umlauf der Bilder darstellt. Kommt es hier auf die malerischen Mittel, auf die Fassung von Materie durch »gebirgsbildende Energien« noch an, oder ist es der Eingriff in die Bildzirkulation an sich, auf den es ankommt; der Eingriff, der ein Bild heraushebt, es neu und monumentaler fasst und in die ›Vitrine‹ erhebt, ohne dass hier von einem geologischen Paradigma sinnvollerweise noch zu reden wäre (weil ja die formenden Energien schon am Werk gewesen sind bzw. waren)? ›Wofür steht, oder wofür stand nun demgegenüber Cézanne?‹, so liesse sich nun fragen, und natürlich sind der Meinungen, wofür nun Cézanne, als eine Figur der Kunstgeschichte, der Malereigeschichte, steht, nicht wenige. Wenn Cézanne also für diese Möglichkeit stehen mag, die Mittel der Repräsentation unabhängig vom Repräsentierten zu denken und somit auch für die Möglichkeit, eben dieses Auseinandertreten ins Bild zu setzen und zu denken (sofern wir für an Malerei, auf dieser Ebene, Interesse zeigen; und weniger an dem, was sie auch ist, nämlich Spiel, auf das wir uns einlassen sollten, sofern wir es auskosten wollen, und daher auch von der Analyse eigentlich absehen sollten), so stellt sich natürlich auch die Frage, ob es überhaupt das von Cézanne Gewollte gewesen ist, für diese Möglichkeit im Rahmen einer Geschichte der Malerei ›zu stehen‹ (und so macht sich auch Kirkeby in seinem Aufsatz durchaus Gedanken, was Cézanne denn überhaupt gewollt hat, bzw. wann). Uns scheint die interessante Frage hier aber eher die prinzipielle Frage, wieviel Kalkül und wieviel Naivität in einem Maler jeweils ist bzw. sein kann, ohne dass wir diese Frage, in Hinblick auf Cézanne oder in Hinblick auf einen x-beliebigen anderen Maler, konkret beantworten wollten. Denn mit dieser Frage, mit dem oben erwähnten geologischen Paradigma und auch mit dem erwähnten informationstheoretischen Paradigma ergibt sich insgesamt ein interessanter Kompass, was Malerei ist und überhaupt sein kann, und zwar heute. ![]() (Picture: flickr.com) Kurz: das Problem der Repräsentation, so scheint es, kann überhaupt nicht aufgehoben werden, denn im Extremfall repräsentieren sich die Mittel der Repräsentation eben selbst. Aber selbst Rothkoschwarz, eine weitere Oberfläche, die mich am heutigen Tag im Kunstmuseum Basel angeblickt hat, selbst Rothkoschwarz repräsentiert eben Rothkoschwarz. Oder was es sonst repräsentiert oder gar inszeniert (der Sog, der entstehen kann, steht man vor einer imposanten Leinwand mit Rothkoschwarz), aber es repräsentiert nicht ›nichts‹ (oder eben ›Das Nichts‹, was begrifflich, etwas ist, nämlich eine Idee). ![]() (Picture: margaretsharrow.blogspot.com) ![]() ![]() (Picture: nga.gov/Giorgione) ![]() Kirkebys Cézanne-Bild, so gesehen, inspiriert bzw. besticht durch leidenschaftliche Einseitigkeit (Das Vorhaben Normalität lautet der eigentliche Haupttitel); und diese Einseitigkeit ist geeignet, Ergänzungsbedürftigkeit in diesem Bild auszumachen, aber auch geeignet, indirekt, Gegenbilder auf- und auf den Plan zurufen (Tuymans dürfte kaum auf eben diese ›Normalität‹, auf das Spektakuläre des Unspektakulären, wenn man es richtig besieht, aus sein, sondern eher die Suche nach dem klar identifizierbaren schrillen Ton verkörpern). Und Gegenbilder, und Gegenrichtungen, Hauptrichtungen vervollständigen – in summa – allmählich ein Bild, was Malerei sein kann: nämlich Kalkül und Naivität, Körperkräfte beanspruchendes Wuchten von Materie, zu formen durch »gebirgsbildende Energien«, aber auch Informationsvergabe und das Spiel damit, und dies alles innerhalb eines Rahmens, der letztlich auch durch Negation nicht aufgehoben werden kann, sondern der bestimmende Rahmen dessen, was ein gemaltes Bild sein kann, bleibt, nämlich Repräsentation; Repräsentation bildnerischer Mittel an sich, d.h. blosse Zurschaustellung ihrer selbst; oder die konventionelle Repräsentation, im Extrem ein bruchloser, sich selbst verleugnender Illusionismus, den Cézanne, als eine Figur der Kunstgeschichte (wieder) aufgebrochen haben mag, weil seine Mittel der Repräsentation sich emanzipierter zeigten und – gleichsam unter sich – Spiele zu spielen begannen, bedingt durch Kalkül oder als eine Tugend, geboren aus Not. Schliesslich: zwischen den zwei genannten Extremen mag man sich weniger eine Leere der Unmöglichkeiten, sondern eher eine Fülle der Möglichkeiten bildnerischer Ambivalenz vorstellen, ein Flackern, eine Uneindeutigkeit, deren Ursprung im Erfassen der gegensätzlichen Extrem-Möglichkeiten liegt, die, im Rahmen eines Bildes, gegeneinander ausgespielt werden können, oder in Bildserien, durchgespielt werden als Möglichkeiten sich ergänzender Einzelwerkkomplexe. Was, möglicherweise zu neuen, anderen Paradigmen führen wird. Gefundenen, entdeckten, konstruierten oder erspielten. And we assemble some works by Paul Cézanne kept by the museums of Oslo, Copenhagen, Helsinki and Stockholm (pictures: tripadvisor.com; flickriver.com; tripadvisor.com; backdrift.de): ![]() Still Life with Milkjug and Fruit (Oslo) ![]() Still Life with Apples in a Bowl (Copenhagen) ![]() The Road Bridge at L’Estaque (Helsinki) ![]() Landscape (Stockholm) ![]() (Picture: kristallin.de) ![]() (Picture: museumpublicity.com) ![]() Van Gogh, inspired by Pierre Loti’s 1886 novel An Iceland Fisherman, imagined painting a picture for the cabin of the Breton mariners heading to Iceland, by which they might remember having been rocked by a nurse (picture: metmuseum.com) MICROSTORY OF ART © DS |